Mit Wasserkraftexperte Julian Aicher auf RegenerativRadelRoute

RegenerativRadelRoute zur Wasserkraft

Im Rahmen der „Energie-Akademie Leutkirch“ luden die Volkshochschule Leutkirch und das Energiebündnis Leutkirch in Kooperation zu einem besonderen Nachmittag am Samstag, 12. Juni 2010 ein. Auf dem Programm der Bildungsreihe, die Bürgerinnen und Bürger, Laien wie Fachleute, zu den Themen Energie und Nachhaltigkeit informieren soll, stand eine RegenerativRadelRoute mit Wasserkraftexperten Julian Aicher.

Bildung und Wissen erfahren – buchstäblich, mit dem Fahrrad, CO2-neutral. Eine kleine Gruppe ließ sich auf diese „Erfahrung“ ein und erforschte reale Verwirklichung, versunkene Historie und mögliche Chancen der Wasserkraft im Oberen Eschachtal bei Leutkirch im Allgäu.

Vom Brauereigasthof Mohren führte der Weg zunächst nach Urlau, wo im Bereich Mühlenweiher eine erste Wasserkraftanlage, eine Ossberger-Turbine aus dem Jahr 1962, erlebt werden konnte: Strom 100 Prozent regenerativ. Eine saubere Technik, leistungsstark und zuverlässig. Die Gruppe war beeindruckt.
Am Rückhaltebecken Urlau vorüber radelten die Teilnehmer der Exkursion anschließend weiter nach Friesenhofen und Richtung Hinznang. Beim Überqueren der Eschach erläuterte Wasserkraftexperte Aicher, wo sich hier das einstige Wehr, Kanal und Mühle befanden. Geschichten von Gestern die nachdenklich machten. Versunkene Kraftanlagen, wie sie entlang der Eschach erstaunlich häufig zu finden sind. Geschleifte Wehre. Welche ungenutzte Kraft liegt dort heute brach. Es wäre einfach, sich heute wieder auf diese Energiequelle zu besinnen. Technisch kein Problem. Das Obere Eschachtal könnte – nach Einschätzung von Julian Aicher – den privaten Strombedarf seiner Bevölkerung komplett aus ortseigener Wasserkraft decken. Fischerei, Natur- und Hochwasserschutz würden keine Verlierer sein, im Gegenteil. Viel wäre möglich, zum Gewinn aller. Warum noch so viel Skepsis vorhanden ist, versteht Aicher nicht. Früher, um 1900, arbeiteten in Deutschland rund 80.000 Wassertriebwerke. Heute sind es noch 8.000. Also gerade mal ein Zehntel. Fachleute verschiedener Herkunft haben errechnet: Aus Wasserkraft könnte hier zu Lande etwa doppelt so viel Elektrizität entstehen wie heute.

Weiter ging die Fahrt nach Emerlanden. Einst drehten sich hier an der Emerlander Mühle drei Wasserräder und sorgten dafür, dass eine Ossberger-Turbine Strom produzieren konnte. Behörden stellten buchstäblich das Wasser ab. Heute liegt der alte Kanal trocken, ein Mühlstein, dekorativ an die Hauswand gelehnt, erinnert an alte Zeiten. Der Besitzer der ehemaligen Mühle erzählte über diese vergangenen Tage. Dass hier kein Strom mehr erzeugt werden darf – der Gedanke schmerzt ihn wohl nach wie vor.

Das Summen der Turbine beim Sägewerk Völk, ein Stück weiter flussaufwärts, war dann wieder vielversprechender. Auch hier fand die Gruppe eine Ossberger-Turbine im Einsatz. Wasserkraft erzeugt Strom, Strom treibt die Sägerei an, Stämme werden zerteilt, Bretter geschnitten. Nachwachsender Rohstoff 100 Prozent regenerativ verarbeitet. Es kann so einfach sein. Ähnlich dann auch in Schmidsfelden. Im Turbinenhaus zieht ein Generator aus Wasserkraft übers Jahr Strom für 200 Privatpersonen.

Spätnachmittag. Die Gruppe machte sich erneut auf den Weg. Zurück nach Hinznang, Frauenzell, dann hinüber nach Muthmannshofen, Ellmeney bis nach Ausnang. Zur Oberen Mühle. Ein Haus mit uralter Tradition die bis ins Jahr 1540 zurückreicht. Seit 470 Jahren wird an diesem Ort die Kraft des Wassers genutzt. Wie viele Kilowatt das wohl sein mögen? Heute ist die Obere Mühle in Ausnang Gasthaus und Sägewerk zugleich. Ein besonderer Ort der Einkehr. In der Mühle klappern zwei mittelschlächtige Wasserräder, vom Mühlbach gespeist, und produzieren Energie. Romantik pur. Einkehr für Leib und Seele.

Wasserkraft, ein Thema mit Potenzial. Eine Idee, die fasziniert, eine Chance, die eine Renaissance verdient und neu genutzt werden sollte. Auch und gerade bei uns im Allgäu. Darüber waren sich alle einig.

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