The Twiolins

Marie-Luise Dingler und ihr jüngerer Bruder Christoph.

Was für eine neue Musik: „The Twiolins“ imponieren

„Eins, zweizwei, drei, vier“. Als Intro und vertracktes Thema in einen Samba übergehend, tänzelt Christoph Dingler, gibt mit dem Spielfuß das Schlagwerk vor. Das Publikum übernimmt, Clapping, es hat Freude daran.
Freude bei neuer Musik? Bei Komponisten, deren Namen kaum jemand je gehört hat? Aber ja doch. „The Twiolins“ Marie-Luise Dingler und ihr jüngerer Bruder Christoph zeigten in der Festhalle, dass neue Klänge witzig, anregend, hochkarätig, dabei unterhaltsam sein können. Ein erfrischendes Konzert bei der „Leutkircher Klassik“. Die rund 80 in der Festhalle – Avantgarde hat es schon immer schwerer gehabt als Schumann & Co – sind entzückt. Neue Musik hat viele Facetten. Sie kann die Ohren, den Geist öffnen, überraschende Wege ebnen. Kann aber auch allzu schwere Kopfkost sein und nerven, den Saal leeren, oder gänzlich am Publikum vorbeiziehen. Alles schon erlebt.
Marie-Luise und Christoph Dingler aus Mannheim hatten eine bestechende Idee. Sie schreiben alle drei Jahre den „Crossover Composition Award“ für zwei Violinen aus, mit bemerkenswerter Resonanz. Heuer haben sich 325 Tonkünstler aus 44 Nationen beteiligt, mit kompakten Stücken. Ins aktuelle Programm und auf CD schaffen es nur die Kompositionen, die das Publikum während des Finalkonzerts am höchsten bewertet. Das schützt vor unnachvollziehbaren Gehirnergüssen, favorisiert Stücke, die, wie Marie Dingler sagt, „einen vom Hocker hauen“. Wohl wahr. Schon „Sunfire“ von Franz Cibulka, auch Titel der aktuellen CD, bringt elegische Linien, attackierende Violinen, Stakkato, innig ineinander Verwobenes, wildes Sonnenfeuer. „SchienenKapriolen“ von Hans Günther Allers knüpft weniger an Arthur Honeggers programmatischem „Pacific 231“ an, erinnert eher an die komplexen Unwägbarkeiten bei einer Fahrt mit der heutigen DB. Johannes Söllners „Doch Laub und Wolken unter Nacht“ schildert die Schönheit der Natur, zwischen spätromantischen Erinnerungen, repetitivem Minimalismus und Moderne. Zwölf Werke haben die beiden auf der Liste, mit viel Mimik, Bewegung, Action. Mit Humor wie bei „A fly´s life and decline“ von Judit Varga, ohne allzu übertriebenem Klamauk. Nicht alle der Stücke werden wohl ihren Platz im Walhalla finden, anregend, interessant sind sämtliche. Aleksey Igudesman hat einen hübschen, kleinen Walzer beigesteuert, neben dem oben erwähntem Samba. Brydern fährt nicht nur Auto, ihn zieht es mit „Gemini“ weit ins All, Milchstraße ade, ab ins Sternbild der Zwillinge. Stürmischer Beifall. Als erste Zugabe bringen die beiden ein irisches Fiddlestück, munter, tänzerisch. Zugabe zwei: „Der Ameisenbär“, schräg, viel Mimik. Ja!
 
Erschienen: Schwäbische Zeitung 02.11.2015, Autor: Bernd Guido Weber

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