Linus Roth und Vanessa Benelli Mosell

Linus Roth tänzerisch beim Allegro von Beethovens Violin-Sonate F-Dur, mit Begleiterin Vanessa Benelli Mosell. (Foto: Bernd Guido Weber)

Linus Roth: Stradivari-Virtuose gibt mit Vanessa Benelli Mosell ein bemerkenswertes Konzert

Es ist fast ein Heimspiel für den in Oberschwaben aufgewachsenen Linus Roth gewesen, und was für eins: Minutenlanger Beifall nach dem Konzert in der Festhalle, Staunen über seine Virtuosität, seine tänzerische Leichtigkeit, seine Ausdrucksvielfalt auf der mehr als 300 Jahre alten Stradivari Danzla. Als Begleiterin hat Roth zur „Leutkircher Klassik“ eine aparte Partnerin mitgebracht, die Italienerin Vanessa Benelli Mosell. Die beiden noch recht jungen Stars, er Jahrgang 1977, sie Jahrgang 1987, faszinieren von Beginn an. Ein eindrucksvoller, im Herzen nachwirkender Auftritt.

Die Festhalle ist ausverkauft, man sieht auch erfreulich viele junge Menschen. Viele wissen offenbar, dass Linus Roth seit seiner Auszeichnung mit dem Echo-Klassik-Preis als „Bester Nachwuchskünstler 2006“ zu den interessantesten Geigern seiner Generation gehört. Er hat sich nicht nur mit dem Standardrepertoire, sondern auch mit der Aufführung zu Unrecht vergessener oder selten gespielter Werke einen internationalen Namen gemacht. Gleichzeitig ist er aber auch ein gefragter Schumann-Interpret, den er als Seelenverwandten hoch schätzt. Linus Roth hat mehrere CDs eingespielt, konzertiert weltweit. Als Professor wurde er nach Augsburg berufen, hat im vergangenen Jahr vom Landkreis Biberach den mit 10 000 Euro dotierten Oberschwäbischen Kunstpreis erhalten. Schumann gibt es an diesem Abend nicht. Roth und Mosell eröffnen mit der Violin-Sonate in F-Dur von Ludwig van Beethoven. Schon das Allegro zeigt die ganze Klasse der beiden. Linus Roth tanzt, ist auf Zehenspitzen unterwegs, lebt die Klänge. Wildes, dabei punktgenaues Spiel, mit frappierender Leichtigkeit. Vanessa Benelli Mosell, im langen, hautengen roten Kleid, ist ebenbürtige Partnerin. Sie hat unter anderem am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau studiert. Beethoven erklingt dynamisch, dann im Programm zwei Mal Arvo Pärt. Seine „Passacaglia für Violine und Klavier“ aus dem Jahr 2003 ist ein recht kurzes Hörerlebnis, aufsteigende Dissonanzen, die sich wundervoll auflösen. Eher meditativ ist das Stück „Spiegel im Spiegel“ aus dem Jahr 1979. Es ist schön, und macht Lust, Arvo Pärt (wieder) öfters zu hören. Vor der Pause gibt es die Sonate g-moll für Violine und Klavier von Claude Debussy. Vanessa Benelli Mosell mit energischem, akzentuiertem Anschlag, Roth mit seidenweichem Spiel, faszinierende Farben. Zum Abschluss erklingt die Sonate A-Dur für Violine und Klavier von Cesar Franck, einem der bedeutendsten Komponisten seiner Epoche, heute freilich seltener aufgeführt. Nicht unbedingt leichte Kost, von den beiden souverän und mit viel Spielfreude dargeboten. Kaum endend wollender Beifall.

Als Zugabe bringen Roth und Mosell „Stille Nacht“ von Alfred Schnittke. Dieser hat das Stück als Weihnachtsgeschenk für Gidon Kremer geschrieben, 1978. Das Weihnachtslied einmal anders, mit Dissonanzen, Klavierbegleitung zunächst ausschließlich ein ganz tiefer Ton. „Er wollte niemanden mit dieser Komposition beleidigen,“ sagt Linus Roth. „Aktuell in einer Zeit, in der Menschen wegen einer Karikatur ermordet werden.“ Nochmals viel Beifall. VHS-Leiter Karl-Anton Maucher überreicht den beiden Künstlern je einen Blumenstrauß. Ein Dank für eines der bemerkenswertesten Konzerte in der Reihe „Leutkircher Klassik“.

Erschienen: Schwäbische Zeitung 17.01.2015, Autor: Bernd Guido Weber

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