Calmus Ensemble

Das Calmus Ensemble betört mit Vokalmusik a capella

Ernst und heiter, Kunstlied neben Volkslied, Schäfer-Madrigale aus dem 17. Jahrhundert und dann der ironische Georg Kreisler – geht das in einem Programm, ohne zu einem Kessel Buntes zu werden? Eindeutig ja, wenn solche Könner am Werk sind wie am Samstagabend in der Festhalle. VHS-Chef Karl-Anton Maucher hatte für das fünfte Saisonkonzert der „Leutkircher Klassik“ das Calmus Ensemble aus Leipzig gebucht, dank Sponsoren. Das Gesangsquintett aus Leipzig wurde bereits mit einem Echo-Klassik ausgezeichnet, ist weltweit gefragt. Carnegie-Hall New York, Südamerika, ganz Europa. Und jetzt Leutkirch.

Erste Überraschung: der Saal ist ungewohnt bestuhlt, etwa zu zwei Dritteln. Der eine oder andere Besucher hätte also noch Platz gehabt. Im vorderen, freien Teil stehen fünf Notenpulte, das Ensemble performt auf dem Parkett in Augen- und Ohrenhöhe, und ohne technischen Firlefanz. Zweite Überraschung, jetzt sind wir schon im Konzert: der Countertenor Sebastian Krause. Eine so helle, klare Stimme hat man, wenn überhaupt, lange nicht gehört. Verblüffend seine Zwiesprache mit der Sopranistin Anja Pöche. Auch sie klar, mühelos in den Höhen. Ohne überflüssigen Koloratur-Zierrat und Vibrato-Verführung. Das Klangbild von Calmus ist perfekt ausbalanciert, mit umfassenden dynamischen Bogen, sauber akzentuiert. Mit Humor und Augenzwinkern. Aber doch puristisch, rein, irgendwie evangelisch.

Kein Zufall. Das Ensemble hat seine Wurzeln in der evangelischen Kirchenmusik, im traditionsreichen Thomaner-Chor Leipzig. Sebastian Krause und Bariton Ludwig Böhme sind ehemalige Thomaner, beide haben Calmus mitbegründet. Tenor Tobias Pöche kommt vom Dresdner Kreuzchor. Bassist Joe Roesler ist Quereinsteiger, und, in Hamburg aufgewachsen, der einzige aus dem „alten“ Deutschland. Das spielt wohl keine Rolle mehr, der große Mann mit markanter Frisur ist solides Fundament, mit ausdrucksvoller Mimik und rollenden Augen ein Hingucker. Die „Human Beatbox“, zu hören bei einer der drei Jazzballaden von Harald Banter, beherrscht er wie ein Jungrapper.

Aber erstmal geht es weit zurück, zu den kunstreichen Hirten-Madrigalen von Johann Herrmann Schein (gestorben 1630), einem Thomas-Kantor. „Durch die Blume“ ist das frühlingsbejahende Programm des Abends betitelt, da passt „O Amarilli, schöne Zier“. Komplex ist der Satz der drei Chorlieder von Hugo Distler, die „Storchenbotschaft“ am eingängigsten. Die Romantik begegnet uns an diesem Abend mit Robert Schumann – das „Heidenröslein“ als ein Lied über Liebe, Verantwortung, Schuld. Kurt Thomas (1904 bis 1973), ebenfalls Thomas-Kantor, hat Gedichte von Wilhelm Busch vertont. „Bewaffneter Friede“ etwa, aber auch das „Häslein“, und „Frisch gewagt“.

Welche Tiefe Volkslieder haben, zeigen die fünf von Calmus eindrucksvoll, besonders berührt „Am Brunnen vor dem Tore“. Die folgenden Jazz-Balladen erinnern in den besten Passagen an die King Sisters, sind in diesem Frühlingsblumenstrauß eher Beiwerk. Genial dagegen die fünf ironisch-bissigen Lieder von Georg Kreisler, arrangiert vom Counter-Tenor Sebastian Krause. Da hält sich der Baron Felsenstein viel Industrie, aber weinen tut er nie, denn dafür hat er seine Prokuristen, Spezialisten. Sehr schön. Und zum Schluss wünscht das Ensemble „jedem Menschen eine Barbara in Wirklichkeit, doch besser noch im Traum“. Die ewige Sehnsucht des Mannes nach dem Glück, leider immer wieder an der Realität schrammend.

Viel Beifall für einen außergewöhnlichen Abend. Karl-Anton Maucher überreicht Anja Pöche einen bunten Strauß, die Herren werden auch beehrt. 3000 Leser des evangelischen Magazins „chrismon“ hatten mitgeteilt, welche Lieder sie hören wollen. Dabei „Es klappert die Mühle“ – ein Lied zur Energiewende, so Sebastian Krause launig. In die kalte mondhelle Nacht entlassen werden die Besucher dann mit dem Lied, das sich die chrismon-Leser am meisten gewünscht hatten: „Der Mond ist aufgegangen“. Nochmals fünf Ausnahmestimmen in schlichter Pracht.

Erschienen: Schwäbische Zeitung 24.03.2013, Autor: Bernd Guido Weber

  • vhs Leutkirch e.V.
  • Marktstraße 32
  • 88299 Leutkirch
  • Telefon: 07561 87187
  • Fax: 07561 87288
  • vhs@leutkirch.de
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK